Oktoberfestderivate

Es ist wieder soweit. München strahlt. Bis in die hinterletzten Fisteln am Arsch der Republik. Wo sich subtalentierte E bis F Promis dem Starkbier hingeben und ein Maß desselben 18 Euro kostet. Wo alles glänzt und glitzert, im Vollrausch. Wo am Ende des Abends doch alle gleich sind und nebeneinander wankend, inbrünstig den überteuerten Gerstensaft in die Pissrinnen kotzen.

Auf den Münchner Wiesn scheint das Eldorado des Landbewohners zu liegen. Zumindest in der herbstlichen Jahreszeit, denn bis Fasching ist noch zu lange hin. Und München ist aber schon auch weit, je nach Fistel. Also blubbern seit Jahren aus jeder Mehrzweckhalle des Landes Oktoberfeste an die triste Oberfläche.

Das schau ich mir mal genauer an.

Soviel vorab: Was dort inszeniert wird sucht allerdings Seinesgleichen bezüglich kollektiver Denksperre. Nach der ersten langweiligen Stunde bzw den ersten 1-8 Maß Schalbier (je nach Trainingsstand) verstummt das Hallengemurmel. Es wird laut. Sehr laut.

Die Hinterfotzeler Darmspatzen, ich bin mir nicht ganz sicher aber glaube so heißt die Band, starten ihre Schau. Und fragen zum Auftakt des legendären Konzerts standesgemäß gefühlte 38 mal ob auch ja jeder gut drauf ist. Und behaupten stets, dass das doch auch lauter geht.

Ehe man sich als ungeübter Besucher versieht, springt urplötzlich das ganze Dorf in pseudobayerischer Zunft hysterisch auf die meiner Meinung nach zum Sitzen gedachten Bierbänke und fängt an den unverständlichen Lärm der überbezahlten Hobbykellerband lauthals mitzugröhlen.

Spätestens jetzt bekommt es der Oktoberfestderivaterstbesucher, ob der an unschöne Zeiten Deutschlands erinnernden Euphorie, mit der Angst zu tun.

Leise hoffe ich, dass die Ein oder Andere Bierbank unter dem feuchtfröhlichen Gehüpfe aufgibt, und die Feierwütigen Fußgelenke beim Sturz knicken lässt.

Woher kennen alle Anwesenden sämtliche Liedertexte der Dorfkapelle? Wahrscheinlich lernt man die dort bereits in der Grundschule. Und übt dann bis zur Perfektion. Im Musikunterricht, unter der Dusche und spätestens ab 18 dann auch beim Autofahren. Mit CD.

Frische Luft tut bekanntermaßen gut. Erst recht wenn die Pause der Klitschenreuther Ritzenbrattler, so hieß der Musikantenverband glaube ich, auf sich warten lässt. Selbst größere Mengen des Schalbieres zeigen keine wirksam narkotisierende Wirkung. Die Feierwut der semiuniformierten Bayernimitanten ist stärker. Also raus.

Schnell zeigt sich: Draußen ist auch nicht besser:

Nichtverkleidete werden offensichtlich geächtet. Das wird mir schnell klar, als die halb- und ganzstarken kleinkariert gehemdeten Lederhosenträger anfangen hinter vorgehaltener Hand zu tuscheln und auf mich zu zeigen. Der Anführer der Baumhausbande spuckt demonstrativ aggressiv  rechts neben sich.

Bevor die Angelegenheit noch lustiger wird und eventuell körperlich eskaliert, geh ich lieber wieder rein, diesmal zur Schnapsbar. Bin ja schließlich nicht zum Spaß hier.

Die Pustelbluter Kaasritzen (So hiessen die doch?) geben nach ihrer verdienten Pause nochmal alles. Mittlerweile verstehe ich noch weniger vom Text. Fragt sich ob es Ihrem oder meinem Alkoholkonsum geschuldet ist. Ist da etwa Licht am Enddarm der Spaßgesellschaft? Sollte Schnaps die Lösung aller Probleme sein? Das wäre neu. Bisher war Hartgebranntes immer Auslöser mittelschwerer Entgleisungen und endete nicht selten vor Gericht. Jahre später versteht sich. Aber auf unser Rechtssystem komme ich gerne ein anderes Mal zu sprechen.

Apropos sprechen, ich geh mal brechen. Sieht mir ähnlich. Ist allerdings auch die einzig vernünftige Konsequenz nach allem was ich hier durchgemacht habe. Zu investigativen Zwecken.

Die Unterschlonzer Fritzboxn (Definitiv.) gehen in die Vollen.

Ich geh Heim. Voll.

Beziehungsweise leer.

Beziehungsweise irgendwie beides.

Nicht nur körperlich.

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Konsumgeiler Fleischbrei 2

Dezember. Der Erste. Feierabend. Besser gehts kaum. Reite auf meinem Drahtesel Richtung Zuhause. Kalt ist es geworden.

Harz4 scheint gut auf den strapazierten Konten der dringend Arbeit suchenden Menschen angekommen zu sein. Scheinbar sogar Lohn/Gehalt/Sold/Schmiergeld und überhaupt alles.

Das ist die einzig logische Erklärung dafür, das ich schon bei dem Versuch in die Fußgängerzone einzufahren scharf bremsen muss, weil eine völlige Fassungsvermögensdysfunktion stattfindet.

Es stinkt nach zu lange auf dem Grill gelegener Bratwurst, Zimt, Glühwein und Duftkerzen. Insgesamt.

Weihnachtsmarkt. Auch das noch. Egal. Durch jetzt, irgendwie. Und nach Möglichkeit keine Menschen töten.

Geschafft.

Dachte ich. Aber: Kein Entrinnen. Die Komplette Zone ist aufgedunsen mit konsumgeilem Fleischbrei, der willend ist, sein ach so hart verdientes Geld in vorweihnachtlicher Stimmung mit beiden Händen für den allergrößten, unbedeutendsten, überteuertsten Firlefanz ever, aus dem Fenster zu Ballern.

Scheint große Mengen an Adrenalin auszuschütten dieses bigotte Verhalten.

Note to self:

If living in a pedestrian zone, during christmas season, install a flashing blue light above the entrance, so you can find your way back home.

Konsumgeiler Fleischbrei 1

September. Sonne. Feierabend. Besser gehts nicht. Auf dem Fahrrad gen Heimat. Eine laue Restsommerbrise mitten in meinem Antlitz, wärend ich gemütlich, wenngleich focusiert, in die Pedale haue. Die Sonne steht flach über der Skyline. Rötlich. Als würde sie sich schämen, weil sie merkt, dass sie sich winterswegen von uns entfernt. Dennoch: Alles gut.

Gleich geschafft. Nur noch die letzten fünfhundert Meter durch die Verkehrsfläche, auf der Fußgänger Vorrang vor anderen Verkehrsteilnehmern haben.

Auf halber Reststrecke fällt mir links am Rand ein Verkäufer von kinderhandgedingsten Namensbändchen auf. Das ist kein gutes Zeichen.

Einhundert Meter weiter, rechts von mir, sein höchstwarscheinlicher Zwillingsbruder und dessen bester Freund. Der Zwillingsbruder mit Panflöte im Gesicht, sein allerbester Freund mit Original-CDs in der Hand. Yamaha Boxen, ein kleiner Verstärker, und zur Energieversorgung: Ein Miniaggregat für die Handtasche, etwa 2 Meter hinter der Bühne aus Fußgängerzone platziert. Muss ja schnell gehen wenn die Polente aufmarschiert, scheiss auf den Lärm der sich mit der „Musik“ vermischt. Die Vorstadtpommeranzen im Kaufrausch leiden ohnehin alle an Tinitus. Mindestens. Die kaufen ja tatsächlich diese Original-CDs.

Auf dem letzten Stück vor der Haustür, während ich das Fahrrad schon ausrollen lasse denke ich mir: „Wenn Panflöte spielende Peruaner auftauchen, ist Weihnachten nicht mehr weit..“

Schnell rein. Duschen.

Gesicht vs. Badewanne: 0:1.

Note to self: slippery when wet.

Clownsklone

Durch die Fußgängerzone vor meiner Wohnung frohlockt eine Werbemaßnahme.

Eine Miniatureisenbahn, mit Werbetexten irgendeiner hiesigen Apotheke, gesteuert von einem fettbauchigen Clown, seines Zeichens Geschäftsführer von „Dingenskirchens-Kinderbelustigungen“.

Was die vorhaben ist eindeutig.

Der Radius der Miniaturbahnstrecke beträgt etwa 10 Meter. Und alle 10 Sekunden schwingt dieser miese Speckclown eine Bimmel, die einen nervtötenden Klang im oberen Frequenzbereich abgibt, welchen nicht einmal Doppelverglasung vom Eindringen in meine Wohnung abhält.

Super Idee. Ein bierbäuchiger Clownsklon Mitte fünfzig in einem Eisenpony begeistert Kinder für den Einkauf in der Apotheke. So ganz erschließt sich mir der Zusammenhang noch nicht.

Ich vermute, die Lok wird durch die Selbstzufriedenheit des Klons angetrieben, der überhaupt kein Problem damit hat, 6 Stunden am Stück mit einer sein Rückgrad schädigenden Maßnahme sein Geld zu verdienen. Gekrümmt sitzt er in der kleinen Lok und ist angeblich bester Laune. Keine Kinder machen Anstalten mit dem Idioten zu fahren. Nachvollziehbar, besonders spannend ist eine Fahrt im Kreis mit Rabimmelrabammelrabumm höchstens für Vorkindergartenkinder. Und da schätzen die Eltern die Fahrt allem Anschein nach als zu gefährlich ein.

Vom TÜV auch weit und breit keine Spur. Bestimmt hat dieser Werbetreibende die Lok selbst gebaut. Im Keller. Zwischen der ganzen Schminke, den achtzig Kunstnasen in allen herstellbaren Rottönen und den Kinderleichen.